Es ist Dezember und wir sind Eltern. Weihnachten steht vor der Tür.

Es ist kalt und wir wollen ausbrechen. Wir wollen weg von unseren Traditionen; wollen uns von dem Druck befreien. Wir wollen weg vom Konsum und sehnen uns nach blauem Wasser und Sonnenschein.

Havanna empfängt uns sehr bescheiden. Der Flughafen erinnert an eine einsame Insel. Kein Internet und kein Netz.
Wir bekommen den gefühlt ältesten Oldtimer, den die Insel zu bieten hat und entdecken zu unserer Verblüffung, dass hier ein Neuwagen die Ausnahme ist. Das Auto knattert und hüpft, die Musik ist laut, die Luft ist dreckig. Das Gefährt längst vergangener Zeit fährt vor das neuste Hotel der Stadt, in dem wir die Feiertage verbringen. Es ist ein Ort der Kontraste.

Das neue Jahr begrüßen wir auf einer einsamen Sandbank der Insel CayoLevisa, wo der Sonnenuntergang das alte Jahr mitnimmt und wir dem Vollmond und dem neuen Jahr entgegenlaufen. Mit Musik am Strand und Tischen im Sand. Doch wenige Kubaner finden sich hier ein, schließlich ist ihnen Bootfahrten nicht erlaubt: „Zu groß sei die Angst, wir könnten nach Amerika flüchten.“ erzählt uns der Taxifahrer.

Wir räumen auf mit Vorurteilen, wie „touristisch es schon ist“, wie „überlaufen“, indem wir uns Orte raussuchen die noch ursprünglich sind — denn, wer diese bewusst sucht, der findet sie auch.

Wir wohnen in einer Villa am Strand in Guanabo. Ein Ort, in dem man sich mit Kutschen fortbewegt. In einem Restaurant mit weißen Wänden, das ausschliesslich mit einem Meeresblick dekoriert ist sitzen wir auf ausgeblichenen Plastikstühlen und essen frischen Fisch. Wir laufen am Strand und spüren die Zerstörung des Hurrikans während wir über den langsamen Prozess der Menschen staunen, diesen Ort wieder herzustellen, das ihnen mit ihren alten Maschinen fast unmöglich zu realisieren scheint… doch die Kubaner kämpfen und motivieren sich immer auf’s Neue durch die Liebe, die sie für ihre großen Idole in sich tragen (und natürlich hin und wieder auch durch etwas Rum und ein paar Zigarren).

Wenn sie über Fidel Castro oder Che Guevara reden, leuchten ihre Augen und sie sind unglaublich stolz. Es erinnert an ein Kind, das seine Eltern vergöttert. Ein Kind, das durch den Sozialismus gehalten wird und sich dort zu Hause fühlt. Ein Kind, das die Welt noch nicht gesehen hat, das auf süße, jedoch auch etwas naive Weise daran festhält, das seine Eltern die allerbesten sind.

Doch auch dieses Kind wird irgendwann erwachsen werden, um selbst für sein Glück zu kämpfen, um sich neu zu orientieren, und um irgendwann selbst Eltern zu werden: Eltern einer neuen Zeit.