Costa Rica geht in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Wege. 

Costa Rica geht in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Wege. 

Das von der Natur so reich beschenkte Land in Zentralamerika verzichtet als eines der wenigen Länder weltweit komplett auf Militär.

Die dadurch eingesparten Steuergelder werden stattdessen in Bildung und Naturschutz investiert.
Wir sind neugierig, was das wohl mit diesem Fleckchen Erde und deren Bewohnern macht und reisen zur „reichen Küste“, wie Costa Rica übersetzt heißt. Eigentlich müsste es ja „die reichen Küsten“ heißen. Denn sowohl die pazifische als auch die karibische Küste begrenzen die Republik. Und beide Landesseiten – Westen wie Osten – sind so reich an Pflanzen,- und Tierarten wie kaum ein anderer Ort auf dieser Welt.

Für europäische Verhältnisse erwarten uns ungewöhnliche Wege auf dem Weg zur Halbinsel Nicoya am Pazifik. Hier ist Costa Rica am ursprünglichsten, der Tourismus am weitesten entfernt.
Die schlechten, ungepflasterten Straßen Richtung Paradies haben gleich mehrere Vorteile: Die von Schlaglöchern gezeichneten Pfade erlauben an vielen Stellen nur Schrittgeschwindigkeit. Das wirkt extrem entschleunigend und man hat genug Zeit die hier noch oft unberührte Natur zu genießen.
Außerdem sind sie für große Reisebusse unbefahrbar und somit für große Hotelketten uninteressant.

Angekommen in Santa Teresa fühlen wir uns wie in einer Märchenwelt.
Die Stadt wirkt wie eine Mischung aus modernem Hippie Dorf und New York in den 70ern. Hip und gleichzeitig sehr alternativ. Neben dem 60-jährigen Hippie Künstler, der seine selbst entworfenen T-Shirts verkauft, liegt ein Coffee Shop, den man mit seinem modernen Interieur und nachhaltigem Angebot eher in Berlin-Neukölln, London oder Melbourne erwarten würde.
Eine herzliche Lebensfreude liegt über der kleinen Siedlung mitten im Regenwald , die in den letzten Jahren zum Treffpunkt für Lebenskünstler aus aller Welt geworden ist.

Ein schmaler Urwaldstreifen trennt die staubige Hauptstraße von der eigentlichen Attraktion dieses Platzes: Das weiße, von Palmen gesäumte Sandufer. Das bunte Treiben am Strand zieht uns in einen magischen Bann und so leben wir die nächsten Wochen wie es hier alle tun. Pura vida ist nicht nur das allgegenwärtige Grußwort, sondern auch die Lebenseinstellung der Einheimischen und Zugereisten an diesem verzauberten Platz.

Wir essen Früchte und Gemüse aus dem Regenwald, surfen oder treiben Sport am Strand. Kinder aller Altersklassen und Herkünfte spielen mit Treibholz und Palmenblättern und geniessen das pure Leben.

Pura vida eben. Schnell verliert man das Gefühl für Zeit und Raum.

Fast wirkt Santa Teresa wie ein modernes, gesetzloses, gallisches Dorf. Menschen, die hier herkommen oder leben, respektieren die Umwelt und leben den Traum einer multikulturellen Gesellschaft. Hier ist diese Utopie Realität und funktioniert ganz ohne Waffen, Grenzen und Zäune.

Nach drei Wochen verlassen wir diesen einmaligen Ort und nehmen eine bedeutende Erkenntnis mit auf unseren Weg:

Das Wichtigste, das es auf der Welt gibt, kann man nicht mit Waffen beschützen:
Die wunderschöne Natur unseres Planeten und die Zukunft unserer Kinder.

KUBA-Das Kind das nicht groß werden wollte

KUBA-Das Kind das nicht groß werden wollte

Es ist Dezember und wir sind Eltern. Weihnachten steht vor der Tür.

Es ist kalt und wir wollen ausbrechen. Wir wollen weg von unseren Traditionen; wollen uns von dem Druck befreien. Wir wollen weg vom Konsum und sehnen uns nach blauem Wasser und Sonnenschein.

Havanna empfängt uns sehr bescheiden. Der Flughafen erinnert an eine einsame Insel. Kein Internet und kein Netz.
Wir bekommen den gefühlt ältesten Oldtimer, den die Insel zu bieten hat und entdecken zu unserer Verblüffung, dass hier ein Neuwagen die Ausnahme ist. Das Auto knattert und hüpft, die Musik ist laut, die Luft ist dreckig. Das Gefährt längst vergangener Zeit fährt vor das neuste Hotel der Stadt, in dem wir die Feiertage verbringen. Es ist ein Ort der Kontraste.

Das neue Jahr begrüßen wir auf einer einsamen Sandbank der Insel CayoLevisa, wo der Sonnenuntergang das alte Jahr mitnimmt und wir dem Vollmond und dem neuen Jahr entgegenlaufen. Mit Musik am Strand und Tischen im Sand. Doch wenige Kubaner finden sich hier ein, schließlich ist ihnen Bootfahrten nicht erlaubt: „Zu groß sei die Angst, wir könnten nach Amerika flüchten.“ erzählt uns der Taxifahrer.

Wir räumen auf mit Vorurteilen, wie „touristisch es schon ist“, wie „überlaufen“, indem wir uns Orte raussuchen die noch ursprünglich sind — denn, wer diese bewusst sucht, der findet sie auch.

Wir wohnen in einer Villa am Strand in Guanabo. Ein Ort, in dem man sich mit Kutschen fortbewegt. In einem Restaurant mit weißen Wänden, das ausschliesslich mit einem Meeresblick dekoriert ist sitzen wir auf ausgeblichenen Plastikstühlen und essen frischen Fisch. Wir laufen am Strand und spüren die Zerstörung des Hurrikans während wir über den langsamen Prozess der Menschen staunen, diesen Ort wieder herzustellen, das ihnen mit ihren alten Maschinen fast unmöglich zu realisieren scheint… doch die Kubaner kämpfen und motivieren sich immer auf’s Neue durch die Liebe, die sie für ihre großen Idole in sich tragen (und natürlich hin und wieder auch durch etwas Rum und ein paar Zigarren).

Wenn sie über Fidel Castro oder Che Guevara reden, leuchten ihre Augen und sie sind unglaublich stolz. Es erinnert an ein Kind, das seine Eltern vergöttert. Ein Kind, das durch den Sozialismus gehalten wird und sich dort zu Hause fühlt. Ein Kind, das die Welt noch nicht gesehen hat, das auf süße, jedoch auch etwas naive Weise daran festhält, das seine Eltern die allerbesten sind.

Doch auch dieses Kind wird irgendwann erwachsen werden, um selbst für sein Glück zu kämpfen, um sich neu zu orientieren, und um irgendwann selbst Eltern zu werden: Eltern einer neuen Zeit.